Handwerker-Fonds Suchtkrankheit e.V.
Mitglied im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein Landesverband der Inneren Mission e.V.

Projekt:
Aufklärung und Information über Glücksspielsuchtrisiken
im Umfeld betrieblicher Interventionen
(abgeschlossen am 30. April 2012)


Allgemeiner Ausgangspunkt des Projektes ist die Tatsache, dass die Suchtprobleme in der Bundesrepublik ein wachsendes und in seinen Dimensionen häufig unterschätztes Problem darstellt. 5 % der Beschäftigten gelten als suchterkrankt, weitere 10 % als gefährdet.

Das Handwerk nimmt in diesem Szenario keine Sonderrolle ein, sondern spiegelt lediglich den allgemeinen Trend. Untersuchungen belegen, dass Suchtprobleme mit beträchtlichen volks- und betriebswirtschaftlichen Schäden verbunden sind, die auf verminderte Arbeitsleistung und -qualität, häufige Arbeitsunfähigkeiten und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zurückzuführen sind.

Ein zunehmend wichtiger Aspekt der Arbeit ist der gestiegene Bedarf an Information und Beratung im Umfeld der Glücksspielsucht. Auffälligkeiten in diesem Bereich spielen zukünftig auch in unserer Arbeit eine besondere Rolle. Pathologisches Glücksspiel stellt dabei die Betroffenen als auch deren Angehörige vor große Probleme. Über Veranstaltungen sollen problematisches Verhalten und Suchtrisiken angesprochen werden und Strategien und Methoden vorgestellt und entwickelt werden, einem möglichen Problem präventiv zu begegnen. Dazu gilt es, auch im Umfeld betrieblicher Maßnahmen ein Bewusstsein für die Problematik zu erreichen, Informationsveranstaltungen und Unterrichtseinheiten anzuregen und durchzuführen, Infomaterial zur Verfügung zu stellen und in Gremien des Handwerks und seinem Umfeld Kontakte aufzubauen.

Für dieses Projekt stehen Fachkräfte (z.B. erfahrene Suchttherapeuten) zur Verfügung.

Aspekte des Themas können sein:

  • Glück - was ist das?
  • Glücksspielsucht - wen betrifft es?
  • Wie entsteht Glücksspielsucht?
  • Was können Betriebe/Kollegen/Angehörige tun?
  • Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

Gefördert durch die NordwestLotto Schleswig-Holstein GmbH & Co KG
und die Spielbank Schleswig-Holstein GmbH
sowie den Arbeitskreis für Unfallverhütung im Lande Schleswig-Holstein

www.gluecksspiel-sh.de


Glücksspielsucht wird immer noch unterschätzt

BERLIN (ami). Die Dimensionen der Glückspielsucht werden nach Auffassung der Berliner Fachstelle für Suchtprävention noch verkannt.

Das Amt beziffert die Zahl der Glückspielsüchtigen allein in Berlin auf bis zu 17 000 Menschen. Es sieht auch Ärzte in der Pflicht und in der Lage, die Entstehung dieser Sucht im Ansatz zu verhindern. Voraussetzung ist, dass sie genug Wissen über die Entwicklung dieser nichtstoffgebundenen Sucht haben, um das Gefahrenpotenzial bei ihren Patienten einschätzen zu können. Hilfreich dabei sind Kooperationen und der Austausch mit anderen Akteuren aus Bereichen wie Familienberatungsstellen, Jugendfreizeiteinrichtungen oder Schuldnerberatungsstellen.

Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, pad e.V., weist darauf hin, dass "mehr Wissen und ein Fachdiskurs zum Thema Glücksspielsucht den Fachkräften der Schuldnerberatung oder im Jobcenter, Pädagogen, Ärzten und Eltern hilft, im Alltag frühzeitig und kompetent ein Abgleiten in den Glücksspielstrudel zu verhindern".

Zusätzlich sind aber staatliche Maßnahmen nötig. Das ergab eine Expertenbefragung in Berlin. Als bedeutsame Präventionsmaßnahme betrachten Experten vor allem die Durchsetzung der gesetzlichen Regelung, erst ab 18 Jahren an Glücksspielen teilnehmen zu können. Auch die frühe Aufklärung zu Risiken des Glücksspiels an Schulen wird für wichtig erachtet.

Immer mehr Glücksspielsüchtige suchen Hilfe

BREMEN (dpa). Glücksspielsüchtige in Deutschland suchen zunehmend Hilfe bei Beratungsstellen. Nach der Berechnung des Experten Gerhard Meyer stieg ihre Zahl 2008 auf 7300 und damit im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent.

"Rund drei Viertel der Therapie suchenden Spieler hatten Probleme mit Geldspielautomaten", sagte der Professor vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Gleichzeitig seien die Umsätze an diesen Automaten im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt um 11 Prozent zurückgegangen sei.

Die aktuelle Suchthilfestatistik weist gut 4300 Spieler aus, die Hilfen aufsuchten. Weil nicht alle Beratungsstellen erfasst seien, rechnet Meyer die Zahlen hoch. Er kritisierte, dass diese Automaten nicht vom neuen Glücksspiel-Staatsvertrag erfasst werden, "weil es sich offiziell nicht um Glücksspiel handelt". "Die Einsätze und Gewinne müssen auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden." Heute könnten mit einem Einsatz von 200 Punkten (zwei Euro) 600 000 Punkte gewonnen werden, "die den Gegenwert von 6000 Euro haben". Inzwischen würde mit den Geldspielautomaten das 4,5Fache des Bruttospielertrages der deutschen Spielbanken erzielt. "Hier ist ein Glücksspielbereich gewachsen, in dem man Vermögen verzocken kann."

Doch nicht nur das Automaten- auch das Pokerspiel boomt. Zwar habe der Staat Glücksspielangebote im Internet verboten, doch die Durchsetzung sei problematisch. Meyer fordert ein legales deutsches Online-Pokerangebot, bei dem der Spielerschutz deutlich umgesetzt wird. "Poker ist ein Glücksspiel, das süchtig machen kann."

In Deutschland gibt es nach Angaben Meyers zwischen 150 000 und 340 000 problematische Spieler, die kurz vor der Sucht stehen. Die Zahl der pathologischen Spieler wird auf 100 000 bis knapp 290 000 geschätzt.


Wie dramatisch eine "Spieler-Kariere" verlaufen kann, zeigt ein Artikel auf Spiegel-Online.

Dort heißt es u.a.:

...erhält er den silbernen Fünfer retour. Er dreht das Münzstück in der Hand, wirft es dann kurzerhand in einen der Spielautomaten, die nahe der Kasse angebracht sind. Das Hartgeld scheppert durch den wuchtigen Apparat.
Dann ertönt plötzlich eine Hymne, der Automat blinkt und dudelt - und spuckt 900 Mark aus.
Heinrich Riesen hat zum ersten Mal gezockt - und gewonnen.
Der junge Handwerker kann sein Glück kaum fassen. Das Erlebnis an dem Apparat in Minden wird das Leben von Heinrich Riesen für immer verändern, wird es alptraumhaft verzerren.

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